Grundlagen 9 Min.

Präzisionsschleifen

Schleifen ist das Finish der Zerspanung: Wenn es auf Mikrometer ankommt, wird geschliffen. Lernen Sie die Verfahren, Grenzen und Einsatzgebiete kennen.

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Was ist Präzisionsschleifen?

Schleifen ist ein spanendes Fertigungsverfahren mit geometrisch unbestimmter Schneide. Eine Schleifscheibe mit Millionen mikroskopisch kleiner Schleifkörner (Korund, CBN, Diamant) trägt Material in feinsten Schichten ab. Das Ergebnis: Oberflächen und Genauigkeiten, die mit Drehen oder Fräsen nicht erreichbar sind.

  • Genauigkeit: IT5 – IT6 (1 – 10 µm) als Standard
  • Oberfläche: Ra 0,1 – 0,8 µm je nach Verfahren und Zustellung
  • Rundlauf: ≤ 2 µm bei sorgfältiger Aufspannung
  • Typische Werkstücke: Wellen, Spindeln, Buchsen, Führungen, Dichtflächen
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Außenrundschleifen

Das Werkstück rotiert zwischen Spitzen oder im Futter, die Schleifscheibe wird radial zugestellt. Außenrundschleifen ist das Verfahren der Wahl für Wellenpassungen, Lagersitze und Dichtflächen.

  • Einstechschleifen: Zustellung radial, für kurze Schleifzonen (Lagersitze)
  • Längsschleifen: Axiale Vorschubbewegung, für Wellen und Führungen
  • Spitzenlos-Schleifen: Ohne Einspannung, für Serienfertigung (Bolzen, Stifte)
  • Maßtoleranzen: ± 2 µm bei Einstechschleifen
  • Typische Aufmaße: 0,1 – 0,3 mm auf den Durchmesser
Praxis-Tipp

Beim Außenrundschleifen von gehärteten Wellen (> 58 HRC) empfehlen sich CBN-Scheiben. Die Standzeit ist ca. 50× höher als bei Korund, die Zykluszeiten sinken um bis zu 40 %.

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Innenrundschleifen

Beim Innenrundschleifen wird die Bohrung oder Innenfläche des rotierenden Werkstücks bearbeitet. Dieses Verfahren stellt besonders hohe Anforderungen an Maschine und Bediener, weil der schlanke Schleifstift zu Vibrationen neigt.

  • Durchmesserbereich: typisch Ø 8 – 300 mm
  • Tiefe/Länge: bis ca. 3× Durchmesser wirtschaftlich
  • Genauigkeit: Rundheit ≤ 1 µm, Zylindrizität ≤ 2 µm
  • Besonders geeignet für: Buchsen, Hohlwellen, Hydraulikkomponenten
  • Herausforderung: Wärmeentwicklung → Kühlung und Zustellung kritisch
Unser Schwerpunkt

Innenrundschleifen ist eine unserer Kernkompetenzen bei Techno Span. Gerade bei Bohrungsdurchmessern ab 12 mm und Rundlaufanforderungen ≤ 2 µm spielen wir unsere Erfahrung voll aus.

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Flachschleifen

Flachschleifen (Planschleifen) erzeugt plane Flächen mit höchster Ebenheit. Das Werkstück wird magnetisch oder mechanisch auf dem Maschinentisch gespannt. Der Tisch fährt linear unter der rotierenden Schleifscheibe.

  • Ebenheit: ≤ 3 µm auf Flächen bis 500 × 300 mm
  • Parallelität: ≤ 5 µm zwischen Ober- und Unterseite
  • Typische Teile: Grundplatten, Werkzeugauflagen, Distanzscheiben, Dichtflächen
  • Kreuzschliff möglich für definierte Oberfläche (z.B. Dichtungen)
  • Aufmaß: typisch 0,05 – 0,2 mm pro Seite
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Schleifscheiben & Abrichttechnik

Die Schleifscheibe ist das „Werkzeug" und entscheidend für Qualität und Wirtschaftlichkeit. Sie muss regelmäßig abgerichtet werden, um Formgenauigkeit und Schneidfähigkeit zu erhalten.

  • Korund (Al₂O₃): Universell für Stahl, günstig, muss häufig abgerichtet werden
  • CBN (kubisches Bornitrid): Für gehärtete Stähle (> 55 HRC), extrem standzeit-stark
  • Diamant: Für Hartmetall, Keramik und nicht-eisenhaltige Werkstoffe
  • Abrichten: Diamant-Abrichter (Einkorn, Formrolle) formgebend und schärfend
  • Schleifscheibenaufnahmen: Rundlauf der Aufnahme ≤ 2 µm ist Voraussetzung für Scheibenstandzeit und Werkstückqualität → siehe unseren ausführlichen Ratgeber zu Schleifscheibenaufnahmen
Wichtig

Die Qualität der Schleifscheibenaufnahme beeinflusst direkt die erreichbare Werkstückgenauigkeit. Eine Aufnahme mit schlechtem Rundlauf führt zu Vibrationen, Rattermarken und vorzeitigem Scheibenverschleiß.

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Wärmebehandlung & Schleifen

In der Praxis geht Schleifen fast immer Hand in Hand mit einer Wärmebehandlung. Der typische Ablauf: Vorbearbeitung (Drehen/Fräsen) → Härten → Schleifen auf Endmaß.

  • Einsatzhärten: Randhärte 58–62 HRC, Kern bleibt zäh (Zahnräder, Bolzen)
  • Vergüten: Durchhärtung auf 28–42 HRC (Wellen, Spindeln)
  • Nitrieren: Oberflächenhärte ohne Verzug → weniger Schleifaufmaß nötig
  • Tiefkühlen: Restaustenit-Umwandlung für Maßstabilität
  • Aufmaß nach Härten: 0,1–0,3 mm/Seite einplanen (je nach Härteverzug)
Unser Service

Wir koordinieren die gesamte Prozesskette: Zerspanung → Wärmebehandlung (Partner-Netzwerk) → Schleifen → Oberflächenveredelung. Sie erhalten das fertige Teil aus einer Hand.

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