Grundlagen 5 Min.

Nutenziehen

Nutenziehen mit Räumnadeln – eine Nische, die kaum ein Lohnfertiger noch beherrscht. Alles über das Verfahren, DIN 6885, Toleranzlagen und warum wir eine eigene Nutenziehmaschine betreiben.

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Was ist Nutenziehen?

Nutenziehen (auch: Räumziehen) ist ein spanendes Sonderverfahren zur Herstellung von Innenlängsnuten in zylindrischen Bohrungen. Eine gehärtete Räumnadel wird axial durch die Bohrung gezogen und trägt in einem oder mehreren Hüben Material von der Bohrungswand ab. Das Ergebnis ist eine exakte Innenlängsnut, die als Passfedersitz (Wellen-Naben-Verbindung) oder als Sicherungs-/Führungsnut dient.

  • Funktionsprinzip: axiale Linearbewegung der Räumnadel durch die Bohrung
  • Nutzbar in Sackloch- und Durchgangsbohrungen
  • Nutlängen bis 100 mm, typische Nutbreiten 3 – 22 mm nach DIN 6885
  • Positionierung der Nut exakt nach Zeichnungsanforderung
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Passfedernuten nach DIN 6885

Der Standard DIN 6885 definiert Passfedernuten und die dazugehörigen Passfederformen (Form A: Rundkeilpfeile, Form B: flach, Form C: einseitig rund). Für die Praxis relevant ist vor allem die Toleranzlage:

  • H9 – Spielpassung: Nut ist geringfügig breiter als die Passfeder. Übliche Wahl für Gleitsitze oder einfache Mitnehmer.
  • JS9 – Übergangspassung: Nut und Passfeder haben fast gleiche Maße. Standard für feste Wellen-Naben-Verbindungen.
  • P9 – Übermaßpassung: Die Passfeder sitzt mit Übermaß in der Nut. Höchste Übertragungskraft, aber Einpresspassung erforderlich.
Praxis-Tipp

Für die meisten Antriebswellen ist JS9 die richtige Wahl: Die Nabe lässt sich noch montieren, sitzt aber formschlüssig. P9 kommt nur bei dynamisch hochbelasteten Verbindungen zum Einsatz – dann Einpressen mit Presse.

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Nutenziehen vs. Stoßen vs. Räumen

Es gibt mehrere Verfahren zur Herstellung von Innenlängsnuten. Die Wahl hängt vom Losgrößen, Bohrungsdurchmesser und der vorhandenen Maschinenausstattung ab:

  • Nutenziehen (Räumziehverfahren): Ideal für Einzelteile und Kleinserien. Eigene Nutenziehmaschine mit Räumnadeln, Nutlängen bis 100 mm. Eigenständiger Prozessschritt nach dem Drehen.
  • Stoßen (Langhubbohren): Flexibler in Nutgeometrie (auch Schrägnuten, Vielkeilprofile). Eigene Stoßmaschine erforderlich. Wirtschaftlich bei kleinen bis mittleren Serien.
  • Räumen: Schnellstes Verfahren bei großen Serien (> 500 Stück). Teures Sonderwerkzeug (Räumnadel maschinenspezifisch), wenig flexibel bei Maßänderungen.
Unser Ansatz

Technospan setzt eine eigene altbewährte Nutenziehmaschine mit Räumnadeln ein – robuste Technik, die seit Jahrzehnten zuverlässig läuft. Nutlängen bis 100 mm, ab Einzelstück wirtschaftlich.

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Ablauf in der Praxis

Der typische Ablauf bei Bauteilen mit Nutenziehen:

  • Bohrung auf Fertigmaß drehen (Durchmesser und Länge nach Zeichnung)
  • Bauteil auf Nutenziehgerät umspannen
  • Nut in 1–3 Hüben auf Fertigmaß ziehen – je nach Werkstoff und Nutbreite
  • Entgraten des Nutauslaufs (Fase oder Radius nach Zeichnung)
  • Maßprüfung mit Grenzlehrdorn und Messschieber
Hinweis

Die Nut muss vor einer Warm- oder Kalthärtung gezogen werden. Wir koordinieren die Prozessreihenfolge: Drehen → Nutenziehen → Härtung → (Schleifen).

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